Über mich

BIOGRAPHIE:

Dieter Wienand

Ich bin am 3.1.1959 in Siegen/ Westfalen geboren, Musiker und Anstifter zum Singen. Vater zweier Töchter und Großvater zweier Enkel und glücklich verheiratet.

Aus aktuellem Anlass (heute, am 20.3.2026) darf ich um Eure Aufmerksamkeit bitten. Ich trauere um Michael Stillwater, der am 16.2.26 plötzlich heimgerufen wurde. Weil er uns und allen mit uns Singenden so wichtig war, haben Christian Bollmann und ich ihm am 16.3.26 ihm ein Memorial in der Thomaskirche Köln gewidmet.

Michael hat uns mit seinem Singen im Herzen erreicht. Heute erahne ich: er war uns immer einen Schritt voraus. Wo auch immer er nun ist, er wird uns auch immer nahe und präsent bleiben. Schon 2003 hat er in „gracefull passages“ vorausgeahnt, was ihn erwarten wird. Und es mit uns geteilt. Ich musste diesen Text neu übersetzen. Er schrieb uns in „Welcome“:

Michael Stillwater

The Welcoming     Das große Willkommen

Ich, Michael Stillwater,

(Ihr wisst, ich ahne nur und fühle vor)

Wenn es denn so weit ist:

Entspanne Dich in diesen Augenblick hinein.

Fühl Dich gehalten in der tiefen Gewissheit:

Ich brauche gar nichts mehr tun.

Lass Dich eintauchen

in einen bisher unbekannten

und gleichzeitig nicht fremden Raum.

Er geht über unseren Verstand hinaus.

Nimm wahr: Es ist gut.

Was wäre, wenn um Dich herum überall Engel wären –

und Du sie einfach nicht sehen kannst?

Was wäre, wenn überall Liebe um Dich herum wäre, so verbindend –

dass nichts und niemand Dich von ihr trennen kann?

Was wäre, wenn Dich diese Liebe überall finden würde,

wie sehr Du Dich auch ablenken und zu zerstreuen suchst.

Und wie übermächtig der Wunsch auch sei,

all diesem zu entfliehen?

Wenn es denn so weit ist, das würde sein:

Du wirst eintreten in das Reich der Schönheit.

Über all die Tage, Wochen und Jahre hat das Reich der Schönheit

ganz nah an Deinem Herzen geruht.

Und gewartet.

Um Dich auf einen Raum vorzubereiten,

der Dich willkommen heißt,

der Dich bedingungslos empfängt,  

genauso wie Du bist,

Du wirst umarmt und geliebt.

Ich, Michael Stillwater,

(ich ahne nur und fühle für Euch vor)

vertraue im Tiefsten darauf,

dass uns ein neues Sein empfängt.

Noch ist es uns unbekannt.

Doch dieses Willkommen hat Dich

und mich schon immer gekannt.

 Es hat Dich stets und überallhin begleitet.

Ob Du es wusstest oder nicht.

Seid gewiss:

Wir werden von solch umfassender Liebe umarmt werden,

die hier, in unserer Welt, nicht einmal zu erahnen ist.

Wisse und erfühle:

– und alle Zweifel sind hinfort geschwemmt:

Du bist ein Geschenk,

Du bist so wertvoll, so einzigartig,

so schillernd und leuchtend.

Die Liebe wird Dich empfangen.

Im Licht dieser Liebe schwindet alle Angst.

Schwindet alle Furcht.

Weit über alles hinaus,

nach dem Sturm,

wachen wir auf,

in einem neuem Land.

Meine Schritte fühlen sich schwerelos und zeitlos an.

Stiller Donner hallt.

 Geist wird heilig.

Und mein Herz ruft mich mit dem Lied

meines Lebens nach Hause.

Es ist das Lied

des Mitgefühls und des Friedens.

Es ruft mich heim.

Mein Lebenslauf in Kürze:

Eine frühe und langjährige Ausbildung am Piano, über 40 Jahre musikpädagogische Erfahrung als „traditioneller“ Instrumentallehrer und Musikschulleiter sowie ein fünfjähriges Studium der evangelischen Theologie haben mir eine bunte und tragende Basis für meine heutige Erwachsenen-Bildungsarbeit gegeben. Seit dem Jahr 2000 habe ich, inspiriert von den Arbeiten J.E. Berendt´s, tief und tiefer in meine Stimme hineingehorcht. Denn die Stimme ist Spiegel unseres Selbst. Das Obertonsingen hat mir neue Horizonte eröffnet, die intensive Arbeit mit Chören hat mir viele selige und verbindende Momente geschenkt. Als Bariton habe ich im Düsseldorfer Obertonchor unter der Leitung von Christian Bollmann von 2003 bis 2017 gesungen. Seit 20 Jahren arbeite ich hauptberuflich als Chorleiter, Seminarleiter, als Anstifter zum freien Singen wie zur Stimm-Improvisation und als Erwachsenen – Bildner. In dieser Arbeit durfte ich Eines entdecken: Kreativität und Freude sind Schwestern. Die Stille ist ihre Mutter. Diesen Raum zu entdecken, lade ich ein.

Außergewöhnliche Klangräume und klingende Kirchen für meine Gruppen zu entdecken, war immer meine Leidenschaft. Damit wir dort zusammen singen können. Meine Reisetätigkeit hat mit den Klangreisen nach Chartres 2024 und Irland 2025 ihr Ende gefunden. Zwei Chöre durfte ich gründen und begleiten: den bundesweiten Singen-wie-im-Himmel-Chor, den ich von 2008 bis 2021 geleitet habe. Und den Kölner Singen wie im Himmel Chor. Dieser hat sich 2013 in einer Jahresgruppe zum Abwun, dem aramäischen Vater-Unser, gefunden, zusammengestellt, erweitert, erneuert und erfreut sich bis heute eines berührenden Klanges sowie guter Stimmung.

Viele Singe – Reisen habe ich in meinem Berufsleben anbieten dürfen: fünf Pilgerwanderungen auf den Spuren von Franz von Assisi in Umbrien, Singe-und Wander- Reisen an den Lago Maggiore, kreative Wochen in der Toskana, die Entdeckungen auf der Insel Elba, die Suche nach dem irischen Reisesegen in Doolin/Irland, einen wagemutigen Aufbruch in den spirituellen Teil Mallorca´s. Das Lauschen und Warten in der Stille der Kathedrale von Chartres. In Deutschland habe ich Singewochen in Maria Laach, im Ahrtal, dem Kleinwalsertal, an der Nordseeküste und an vielen schönen Orten angeboten. Mit dem Eintritt in mein Rentenalter hat sich meine Reisetätigkeit beruhigt. Es ist an der Zeit für mehr Konzentration nach innen. Zwei Seminare im Jahr, die mir wirklich wichtig sind, werde ich noch regelmäßig anbieten: im Sommer das aramäische Vater – Unser, das Abwun. Und das Singe-Silvester-Seminar zu einem jeden Jahreswechsel. Einen besseren Übergang in ein neues Jahr als das Silvester – Singen kann ich mir seit 16 Jahren gar nicht mehr vorstellen.

Wie finde ich Zugang zu meiner Stimme und zu meiner Person?

Dieter Wienand

Ein erster Schritt ist das Hören: Es gilt, wieder horchen zu lernen: zuhören, hinhören, anhören. Und damit aufzuhören, mich der Flut der Informationen und Sinnesreize auszuliefern. Stattdessen: welch ein Glück, den Sinn des Lauschens zu schärfen, die Empfänglichkeit für die sanfte Kraft der Stille zu steigern, im Reichtum des Schweigens zu schwelgen. Gerade dieses Zur- Ruhe- kommen kann eine Tür sein, um Zugang zu meinem inneren Tempel zu finden, ihn zu erahnen und zu pflegen in Stille – ihm Raum und Verankerung in meinem Leben zu geben.

Der zweite Schritt ist: körperliche Spannungen und Panzerungen zu lösen, indem ich mir meines Atems und meiner Stimme in langsamen Übungen sanft bewusst werde. Jede Zelle meines Körpers hat ihr eigenes Gedächtnis, hat ihre Erinnerung an Freude und Lust wie auch an Angst und Traumata. Meine Muskeln sind oft angespannt zum Schutz vor neuen Schmerzen und Verletzungen.

Im Tanzen und Singen kann ich, wenn ich mich einlasse, eintauchen in den Fluss und mitgetragen werden: Ich kann loslassen und aufhorchen, kann Heilungsprozessen Raum geben und frei und offen werden. Wie finde ich Zugang zu meiner Stimme und zu meiner Person?

Im 3.Schritt erspüre ich die Chakren, die Energiezentren des Körpers, atme und töne in die ihnen zugehörigen Vokale. Es folgt Einstimmen, Körper- und Energiearbeit. Die Resonanzräume des Körpers öffnen sich in Bewegung: Meditatives und freies Tanzen lockert, erdet und löst.

Singen in der Gemeinschaft

Als viertes nun Singen, zunächst in Gemeinschaft, später auch freudig und ohne Angst allein. Leichte einstimmige Indianerlieder und die dazu gehörigen Tänze erden und sammeln mich. Der Klang nimmt mich mit auf die Reise. Ich höre meinen Namen aus der Ferne, gesungen von der Gruppe, er kommt näher und ich werde getragen, werde erhört, an- und aufgenommen ohne Leistung, ohne etwas tun zu müssen. Ich bin.

Als fünften Schritt singen wir leicht und mit Freude, vor allem OHNE NOTEN, Lieder des Herzens unterschiedlicher spiritueller Überlieferung: Ob einfache Choräle aus Taizé, südafrikanische Weisen, den irischen Reisesegen, Mantren westlicher wie östlicher Weisheit, Lieder der Kirchengesangbücher, Melodien schamanischen Ursprungs, die betörenden Gesänge der Sufis wie auch deutsche Volkslieder. Wir improvisieren, singen so, wie Stimme und Herz sich im Jetzt anfühlen. Und wir chanten, d.h. wir suchen frei eine eigenen Melodie im gemeinsamen Klang.

Dieter Wienand

Und wir lernen als nächstes: Obertöne hören und singen. Je nach Konsonant oder Vokal, Umlaut oder Silbenzusammenhang begleiten unsere Sprache zarte, hohe Töne und Melodien. Schon während langsamen Sprechens bilden sich feine Gesangslinien „über“ dem gesprochenen Wort.

Je nach Stimme, je nach Instrument, je nach Technik klingen Obertöne deutlicher oder gedeckter im Hintergrund. Aber immer klingen sie mit. Im stetigen Horchen und Üben kann ich schließlich zwei unabhängige Melodien mit einer, mit meiner Stimme singen. Über dem Grundton erklingt, einer Hirtenflöte gleich, eine Melodie aus Obertönen, deutlich hör- und vernehmbar.

Wenn ich auf die Obertöne achte, werde ich aufmerksam, entschleunige mich und mein Leben, und werde offen in der Gemeinschaft des Singens. Werde in der Achtsamkeit des Tönens hingeführt zu Stille und Meditation, und ich komme so im letzten Schritt zur Frage: wie kann ich heute spirituell leben; das Unsagbare, die Sehnsucht nach dem ganz Anderen in meinen Alltag integrieren? Das gemeinschaftliche Singen wie Tönen, das Sich-Sammeln im Atem und in der Stille sind für mich wesentliche Grundpfeiler einer spirituellen Lebenshaltung, die mich vom ersten Ton an verändert. Wer den Film „Wie im Himmel“ gesehen hat, hat ein Ahnung, worum es hier gehen kann.

Der Kölner Stadt Anzeiger schrieb zu unserem Konzert im November 2013:

http://www.ksta.de/koeln/innenstadt/chor-konzert-jeder-mensch-ist-ein–mit–saenger-2250720

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