2004 hat mich der Film „Wie im Himmel“ tief berührt. Am Schluss gibt es dort diese besondere Szene: der Dirigent Darius Dareus kämpft in den Katakomben des Konzerthauses mit dem Tode. Während sein Chor oben führerlos vor einem großem und einem sehr kritischen Publikum steht. Was aus Darius Dareus geworden ist, ob er stirbt, ob vielleicht doch weiterlebt- das lässt das Drehbuch offen. Es hilft nichts: Der Chor steht dort oben auf der Bühne. Nach einer kurzen Zeit der Unsicherheit und Orientierungslosigkeit besinnt er sich auf seine Stärken. Seine Stärken, das sind Authentizität, das Vertrauen in den kreativen Moment, bedingungslose Offenheit, die Annahme und Überwindung von Schmerzen, der Glauben an den Mut und die Freiheit zur Liebe. Im Jahr 2001 hatte ich mit meinen Singe – Angeboten begonnen. Mit diesem Film wurde mir von jetzt auf gleich sonnenklar: wer das gesehen hat, weiß, worum es geht. Daher habe ich mein Programm „Singen wie im Himmel“ genannt.
Natürlich war ich zu dieser Zeit nicht der einzige, der auf die Idee kam, andächtiges, mitfühlendes und spirituelles Singen so zu betiteln. An dieser Stelle möchte ich noch einmal meinen Dank an Daniela Sauter de Beltré aussprechen, dass sie mich als einzige damals kontaktiert hatte. Sie hatte angefragt, ob es für mich okay sei, wenn sie ihr Programm auch so nennt. Ich war einverstanden. Denn die Liebe zu allem und zum Singen wird größer, wenn man sie ehrlich teilt.
Ein guter Einstieg in meine Arbeit lässt sich mit dem offenen Singen in Köln finden. Wer tiefer in das spirituelle Singen und auch in herausfordernde Chorsätze eintauchen möchte: dafür gibt es unseren Chor. Und wer sich in Lebensfreude, Gemeinschaft und Bühnenerfahrung erproben will, dafür gibt es das Lieblingslied.
Seit ich ich Rente bin, bin ich des Reisens müde geworden. Doch wenn ich heute an unsere vergangenen Fahrten zurückdenke, schwingen in mir jene Worte von Dag Hammerskjöld aus seinem Tagebuch zum Jahreswechsel 1952/1953:“ Dem Vergangenen Dank, dem Kommenden Ja.“ Was haben wir für schöne und bewegte Zeiten in der Toskana erlebt – einzigartige Singewanderungen im Ahrtal, das 2021 leider verwüstet wurde. Unvergesslich waren die Sonnenaufgänge am Laacher See. Aufregende die Wanderungen haben uns durch die wilde Macchia der Insel Elba geführt. 2007 bis 2011 dann Pilgerwanderungen auf den Spuren des heiligen Franziskus durch Umbrien bis nach Assisi. Noch heute erinnere ich mich an den bezaubernden Tanz unzähliger Glühwürmchen im Jahr 2008, den wir in der toskanischen Villa Cardeto erleben durften. Das meditative Singen im Labyrinth von Chartres. Wer einmal durch das Labyrinth dieser Kathedrale gegangen ist, weiß um seinen Weg. Und dann unsere Reise an die raue Küste West – Irlands. Wir stehen droben an der Steilküste und singen: Vor uns nur noch das weite Meer und hinter uns der bergende Steinkreis von Dún Aonghasa.
Im Alter will sich mein Fokus will sich wieder mehr nach innen wenden. Rückschau, Aufarbeitung und Besinnung stehen für mich an. Doch zwei Seminare werde ich weiterhin pro Jahr anbieten, weil sie mir so wichtig geworden sind: das aramäische Vater – Unser und das Silvester – Singen.
Jede*r ist zu unserem Singen willkommen und herzlich eingeladen. Einzige Voraussetzung für eine Teilnahme an meinen Angeboten ist: die Bereitschaft, sich dem Klang hinzugeben und ein Erspüren dessen, was über die eigenen Bedürfnisse hinaus für die gesamte Gruppe nötig ist. Es sind keine gesanglichen Vorkenntnisse erforderlich.
Wir werden unseren Körper lockern und unsere Stimme aufwärmen. Wir werden spirituelle Lieder aus allen Kulturkreisen singen. Und tönen. Tönen ist eine besondere Qualität. Sie ist eine gemeinsame Meditation im Klang. Unser Repertoire umfasst ein reiches Spektrum: Gesänge der nordamerikanischen Ureinwohner, christliche Lieder, Mantren mit Yoga- und hinduistischem Hintergrund, Buddhistisches, Gospels, Sufi – Songs, die gesungenen Gebete aus Taizé, das aramäische Vater-Unser, des ABWUN, deutsche Lieder, Volkslieder, vertonte Gedichte von R.M.Rilke und Hermann Hesse. Zum Sommeranfang auch schon mal „Summertime“ oder “ I never promised you a Rosegarden“. Denn wir singen dann im Kölner Rosengarten.
Singen wie im Himmel bedeutet für mich:
Freude finden in und an der Entfaltung meiner eigenen Stimme. Gewissheit spüren: dass ich im geschützten Raum der Gruppe frei singen darf. Zu erfahren, dass es hier kein richtig und kein falsch gibt. Hier kann ich mich mit meiner Stimme öffnen und mich in Sang und Klang als Person (im Lateinischen klingt in „personare“ schon beides mit_ der Klöang und die Person ) ausdrücken. Aus dieser Sicherheit heraus wird uns ein Feld tragender, gemeinsamer Klangenergie und Geborgenheit geschenkt. Wieder zu Hause oder im Alltag, kann ich mich an dieses klingende Feld erinnern, die Töne und Lieder in mir mittragen und überall singen – ob laut, leise, gesummt oder mit der inneren Stimme. Die Lieder und Melodien können mich froh, gelassen und klar machen.
Persönlich hatte es mich einst noch weiter hinausgeführt, um die musikalische Vielfalt unserer Welt noch näher zu kennenzulernen und erfahren zu dürfen: 2004 zum ersten Male nach Irland, 2006 (in meinem Sabbatjahr) in die Mongolei und nach Assisi, 2007 nach Indien, 2009 nach Japan. 2017 nach Nicaragua. 2026 wird es mich nach China führen.
Wir versammeln wir uns heute weiterhin zu regelmäßigen offenen Singe-Abenden montags abends um 19 Uhr in der Thomaskirche Köln in der Nähe des Zoos. Diese Abende sind offen für einen jeden Menschen, der gerne singen möchte und uns kennenlernen will.
Die Thomaskirche Köln wurde am 30.9.2026 entwidmet und wird Ende des Jahres 2027 oder im Jahre 2028 abgerissen werden. 17 Jahre durfte sie mir musikalische Heimstatt sein. Ich trauere um diesen besonderen Ort. https://thomaskirche-koeln. Die Suche nach neuen Ufern hat unseren Chor ab Januar 2027 in die Pauluskirche nach Köln Porz Zündorf geführt. Das offene Singen am Montag wird weiterhin der Thomaskirche stattfinden. Wenn die Kirche denn einmal fallen wird, habe ich für unser weiteres Singen schon einen spirituellen Ort im zentralen Köln – Nippes gefunden.
Interessierte, die „mehr, öfter, anspruchsvoller und intensiver“- singen wollen, kommen in den „Kölner Chor“ . Dort sammeln sich Singende aus Köln und einem Umkreis von bis zu 70 km um Köln herum. Wir singen an 5 Samstagen und 2 Wochenenden im Jahr in der Pauluskirche Zündorf und an den Wochenenden in Seminarhäusern der näheren Umgebung.
Im Chor sammeln sich jene, die mutig, selbstsicher und froh genug sind, unter freundlicher Anleitung auch öffentlich aufzutreten. Um Menschen zum Singen und Mit-Singen anzustiften. Wir singen an beseelten Orten, an Orten der Kraft, um äußere und innere Schönheit zu verbinden, gestörte Energien auszubalancieren und neuen Mut und neue Kraft zu schöpfen. Herzlich willkommen!
Dieter Wienand

„Hör Dich ein mit dem Mund“
Termine
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