BIOGRAPHIE:

Dieter Wienand, am 3.1.1959 in Siegen/ Westfalen geboren, ist Musiker und Anstifter zum Singen. Vater zweier Töchter und Großvater zweier Enkel.
Aus aktuellem Anlass (heute, am 20.12.2025) darf ich um Eure Aufmerksamkeit bitten. Ich trauere um meinen Namensvetter Hans – Dieter Wienand, geboren am 6.8.1960. Hans-Dieter Wienand ist im Februar 2025 verstorben. Gott behalte ihn selig. Seiner Familie und seinen Angehörigen kondoliere ich hiermit aufrichtig. Hans – Dieter Wienand und ich, wir haben uns in unserem irdischen Leben leider nie begegnen dürfen. Meine Intuition: wir hätten uns verstanden. Ich teile seine politische Einstellung, seinen Ader für Humor, und ich ahne, mit ihm den Schmerz teilen zu dürfen, auch im tiefen Leiden noch irgendwie Sinn zu finden. Uns gemeinsam ist außerdem der Mut, solch private Dinge auch öffentlich im Netz offenbaren zu wollen.
Zutiefst erschrocken und getroffen war ich, als mir am 18.12.2025 der Google KI – Modus vermeldete, dass ich, Dieter Wienand, geboren am 03.01.1959 nun leider verstorben sei. Zitat: „Entgegen seiner aktiven Terminplanung für das Jahr 2025 – wie etwa einem Seminar zum Jahreswechsel 2025/2026 oder Singeabenden im Oktober 2025 gibt es Meldungen über einen Trauerfall im Februar 2025. Dieter Wienand verstarb am 7. Februar 2025“ Das ist noch eine milde Variante. Denn bei einem jeden Aufrufen bei Google nach „Dieter Wienand“ finden sich ein jedes Mal neue, andere und verstörende Ergebnisse. Jetzt bin ich aufgerufen, mich im Netz am Leben zu erhalten. Rainer Maria Rilke hat mir immer geholfen. Mit seinen Worten wünsche ich Euch ein gesegnetes Jahr 2026:
Du musst das Leben nicht verstehen
Rainer Maria Rilke, 8.1.1898, Berlin-Wilmersdorf
Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen, so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.
Sie aufzusammeln und zu sparen, das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren, drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren nach neuen seine Hände hin.
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Mein Lebenslauf in Kürze:
Eine frühe und langjährige Ausbildung am Piano, über 40 Jahre musikpädagogische Erfahrung als „traditioneller“ Instrumentallehrer und Musikschulleiter sowie ein fünfjähriges Studium der evangelischen Theologie haben mir eine bunte und tragende Basis für meine heutige Erwachsenen-Bildungsarbeit gegeben. Seit dem Jahr 2000 habe ich, inspiriert von den Arbeiten J.E. Berendt´s, tiefer in meine Stimme hineingehorcht. Die Stimme ist Spiegel unseres Selbst. Das Obertonsingen hat mir neue Horizonte eröffnet, die intensive Arbeit mit Chören hat mir viele selige Momente geschenkt. Als Bariton habe ich im Düsseldorfer Obertonchor unter Christian Bollmann von 2003 bis 2017 gesungen. Seit 20 Jahren arbeite ich hauptberuflich als Anleiter zum freien Singen und zur Stimm-Improvisation. Und als „Anstifter zum Singen“.
Ich liebe es, außergewöhnliche Klangräume und klingende Kirchen für meine Gruppen zu entdecken. Um dann dort zusammen zu singen. Zwei Chöre durfte ich gründen und begleiten: den bundesweiten Singen-wie-im-Himmel-Chor, der von 2008 bis 2021 bestand. Und den Kölner Singen wie im Himmel Chor. Dieser hat sich 2013 aus einer Jahresgruppe zum Abwun, dem aramäischen Vater-Unser, gefunden und erfreut sich bis heute eines berührenden Klanges sowie einer guten Stimmung. Viele Singe – Reisen habe ich in meinem Berufsleben angeboten: Pilgerwanderungen auf den Spuren von Franz von Assisi in Umbrien, Singe- Wander- Reisen an den Lago Maggiore, in die Toskana, nach Elba, nach Irland, in den spirituellen Teil Mallorca´s. In Deutschland habe ich Singewochen in Maria Laach, im Ahrtal, dem Kleinwalsertal, an der Nordseeküste und an vielen schönen Orten angeboten. Mit dem Eintritt in mein Rentenalter möchte sich meine Reisetätigkeit beruhigen. Es ist an der Zeit für eine Konzentration nach innen. Zwei Seminare im Jahr, die mir wirklich wichtig sind, werde ich noch regelmäßig anbieten: das aramäische Vater – Unser, das Abwun, im Sommer. Und das Singe-Silvester-Seminar zu einem jeden Jahreswechsel. Einen schöneren Übergang in ein kommendes neues Jahr kann ich mir seit 16 Jahren gar nicht mehr vorstellen.
Wie finde ich Zugang zu meiner Stimme und zu meiner Person?

Ein erster Schritt ist das Hören: Es gilt, wieder horchen zu lernen: zuhören, hinhören, anhören. Und aufzuhören, mich der Flut der Informationen und Sinnesreize auszuliefern. Stattdessen: welch ein Glück, den Sinn des Lauschens zu schärfen, die Empfänglichkeit für die sanfte Kraft der Stille zu steigern, im Reichtum des Schweigens zu schwelgen. Gerade dieses Zur- Ruhe- kommen kann eine Tür sein, um Zugang zu meinem inneren Tempel zu finden, ihn zu erahnen und zu pflegen in Stille – ihm Raum und Verankerung in meinem Leben zu geben.
Der zweite Schritt ist: körperliche Spannungen und Panzerungen zu lösen, indem ich mir meines Atems und meiner Stimme in langsamen Übungen sanft bewusst werde. Jede Zelle meines Körpers hat ihr eigenes Gedächtnis, hat ihre Erinnerung an Freude und Lust wie auch an Angst und Traumata. Meine Muskeln sind oft angespannt zum Schutz vor neuen Schmerzen und Verletzungen.
Im Tanzen und Singen kann ich, wenn ich mich einlasse, eintauchen in den Fluss und mitgetragen werden: Ich kann loslassen und aufhorchen, kann Heilungsprozessen Raum geben und frei und offen werden. Wie finde ich Zugang zu meiner Stimme und zu meiner Person?
Im 3.Schritt erspüre ich die Chakren, die Energiezentren des Körpers, atme und töne in die ihnen zugehörigen Vokale. Es folgt Einstimmen, Körper- und Energiearbeit. Die Resonanzräume des Körpers öffnen sich in Bewegung: Meditatives und freies Tanzen lockert, erdet und löst.

Als viertes nun Singen, zunächst in Gemeinschaft, später auch freudig und ohne Angst allein. Leichte einstimmige Indianerlieder und die dazu gehörigen Tänze erden und sammeln mich. Der Klang nimmt mich mit auf die Reise. Ich höre meinen Namen aus der Ferne, gesungen von der Gruppe, er kommt näher und ich werde getragen, werde erhört, an- und aufgenommen ohne Leistung, ohne etwas tun zu müssen. Ich bin.
Als fünften Schritt singen wir leicht und mit Freude, vor allem OHNE NOTEN, Lieder des Herzens unterschiedlicher spiritueller Überlieferung: Ob einfache Choräle aus Taizé, südafrikanische Weisen, den irischen Reisesegen, Mantren westlicher wie östlicher Weisheit, Lieder der Kirchengesangbücher, Melodien schamanischen Ursprungs, die betörenden Gesänge der Sufis wie auch deutsche Volkslieder. Wir improvisieren, singen so, wie Stimme und Herz sich im Jetzt anfühlen. Und wir chanten, d.h. wir suchen frei eine eigenen Melodie im gemeinsamen Klang.

Und wir lernen als nächstes: Obertöne hören und singen. Je nach Konsonant oder Vokal, Umlaut oder Silbenzusammenhang begleiten unsere Sprache zarte, hohe Töne und Melodien. Schon während langsamen Sprechens bilden sich feine Gesangslinien „über“ dem gesprochenen Wort.
Je nach Stimme, je nach Instrument, je nach Technik klingen Obertöne deutlicher oder gedeckter im Hintergrund. Aber immer klingen sie mit. Im stetigen Horchen und Üben kann ich schließlich zwei unabhängige Melodien mit einer, mit meiner Stimme singen. Über dem Grundton erklingt, einer Hirtenflöte gleich, eine Melodie aus Obertönen, deutlich hör- und vernehmbar.
Wenn ich auf die Obertöne achte, werde ich aufmerksam, entschleunige mich und mein Leben, und werde offen in der Gemeinschaft des Singens. Werde in der Achtsamkeit des Tönens hingeführt zu Stille und Meditation, und ich komme so im letzten Schritt zur Frage: wie kann ich heute spirituell leben; das Unsagbare, die Sehnsucht nach dem ganz Anderen in meinen Alltag integrieren? Das gemeinschaftliche Singen wie Tönen, das Sich-Sammeln im Atem und in der Stille sind für mich wesentliche Grundpfeiler einer spirituellen Lebenshaltung, die mich vom ersten Ton an verändert. Wer den Film „Wie im Himmel“ gesehen hat, hat ein Ahnung, worum es hier gehen kann.
Der Kölner Stadt Anzeiger schrieb zu unserem Konzert im November 2013:
http://www.ksta.de/koeln/innenstadt/chor-konzert-jeder-mensch-ist-ein–mit–saenger-2250720
