Dieter Wienand singt Rilke

Texte der gesungenen Gedichte
von Rainer Maria Rilke und Gedanken zu ihrer musikalischen Gestaltung
von Dieter Wienand

Die CD können Sie zu einem Preis von 19,80 € >> hier bestellen.
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Inhalt:

  • Präludium: Einhören
  • Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen
  • Der Tod der Geliebten Hörprobe (1.5 MB)
  • Wenn es nur einmal so ganz stille wäre Hörprobe (1.1 MB)
  • Du musst das Leben nicht verstehen  Hörprobe(1,5 MB)
  • Herbsttag (1.45 MB)
  • Liebes - Lied
  • Zum Einschlafen zu sagen
  • Der Schwan Hörprobe  Der Schwan (1,45 MB)
  • Postludium: Aufhören

MusikerInnen:

Dieter Wienand (Burscheid): Gesang, Obertongesang, Gitarre, Akkordeon, Piano, Blues-Harp, Shaker, Monochord, Arrangement
Wolfgang Müller (Regensburg): Gitarren, E- Bass
Birgitta Shaida Widua-Kempff (Soest): Gesang, Violine
Burkhard Müller (Köln): Saxophone, Flöte
Ted Butler (Köln): Didgeridoo

„Hör Dich ein mit dem Mund“

Nun halten wir ein klingend silbernes Rund in den Händen, dessen Entstehungsgeschichte bis in das Jahr 2000 zurückreicht. In diesem Jahr ist das für mich so aufschlussreiche Buch „Kraft aus der Stille“ von J.E.Berendt erschienen. Auf Seite 64 zitiert J.E. Berendt dort die Worte Paul Celans: „Hör Dich ein mit dem Mund“ und er bezieht diese Aufforderung auf das laute Lesen Rilke´scher Texte. Und dann gibt Berendt einen Rat Celans an uns weiter, in dem er seine persönlichen Erfahrungen mit diesem Sprechen schildert:
„…Rilke ist ein Abenteuer für Zunge, Mund, Gaumen. Sprechen Sie die Sätze Rilkes, die Sie betreffen… Erkunden Sie Rilkes < unendliche Landschaft der Worte > sprechend und Ihrem eigenen Sprechen lauschend. Ihr Mund wird es genießen wie eine kostbare Speise und weitergeben an jede Zelle. Und an Ihr Herz.“
Ich kann Joachim Ernst Berendt für seine Hörwerke, seine konzentrierten Gedanken, seine Bücher und seine Vorträge gar nicht genug danken; posthum verneige ich mich hier vor ihm und widme ihm diese CD. Ich bin seinem Hinweis gefolgt und habe ausgewählte Gedichte Rilkes laut gesprochen; immer und immer wieder, sogar bei den Tätigkeiten des täglichen Lebens oder beim Spazierengehen, auf dass mir seine Worte bitte einfallen, wenn ich sie brauche - bis in die schlaflosen Nächte hinein, in denen ich sie dann wirklich brauchte. Damit seine Poesie immer bei mir sein kann, wollte ich sie gerne auswendig lernen. Das gelang mir leider nicht. Da entsann ich mich, wie wir in meinen Singegruppen Texte lernen: Mit der rhythmisch gleichmäßigen Bewegung unserer Füße, mit dem mantrischen Wiederholungen einzelner Textteile, mit der langsamen Hinführung und dem Einüben der Melodie.

Apropos Melodie:

Dank an dieser Stelle an Richard Schönherz und Angelica Fleer für ihr mutiges „Rilke-Projekt“, das zum erfolgreichsten deutschen Lyrik-Projekt geworden ist. Ihr habt mir Mut gemacht, es mit Rilke und Musik zu wagen!
Die Melodien kamen beim lauten Sprechen oft von alleine, manchmal brauchte ich nicht einmal ein Instrument, um sie zu erlauschen. „Du musst das Leben nicht verstehen“ fand als erstes der Gedichte 2011 seine musikalische Form. Ich war selber überrascht, wie leicht und eingängig sich Worte und Töne miteinander verbinden ließen. Über die folgenden Jahre dann erschlossen sich viele weitere Texte.

Sechs dieser vertonten Gedichte habe ich nun für diese CD ausgewählt und im April 2013 mit wunderbaren MusikerInnen im Schaltkreis-Studio zu Köln eingespielt. Um mir Mut zu machen für dieses Abenteuer, haben die Sänger und SängerInnen aus meinen Singegruppen und Chören für dieses, mein erstes professionelles CD-Projekt, gesammelt. Ein stattlicher Betrag konnte die Anschubfinanzierung decken. Euch tausend Dank! Dafür wird es die CD im Verkauf für die Singen-wie-im-Himmel-SängerInnen natürlich zu einem vergünstigten Preis geben.

Das Programm der CD wird eröffnet mit dem Titel: „Präludium - Einhören“. Die CD schließt mit einem Postludium: „Aufhören“. Diese beiden Aufnahmen laden ein, für die Zeit der CD innezuhalten, sich vielleicht zu setzen oder zu legen, sich einen Moment Zeit zu schenken, nur für das Hören…und Mitsingen.

Diese beiden Stücke möchten ein „Hörbild“ einfangen:
Es ist Sommer. Ein großes, schön warm tönendes Klangspiel hängt draußen im weiten Garten an seinem Baum. Und wenn der Wind so durch die Bäume und ums Haus streicht, wenn er die Töne mit sich fortnimmt und sanft in die Landschaft verteilt, dann kann uns eine friedliche, gleichzeitig sehnsuchtsvolle Stimmung mit sich nehmen, wie sie Hermann Hesse in seinem Gedicht „Manchmal“ so treffend beschreibt:

„Manchmal, wenn ein Vogel ruft / oder ein Wind geht in den Zweigen, / oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft, / dann muss ich lange lauschen und schweigen.“ Der Hund begegnet uns auch bei Rilke, und ist auf dieser CD für aufmerksam Zuhörende zu vernehmen. Etwas Besonderes und ein Experiment für mich war das Gedicht „Der Schwan“. Ich wollte schon immer einmal Obertöne in einen Blues einbinden. Kommt doch, Musikinteressierte werden es wissen, die sogenannte „flat fifth“ des Blues in der Obertonreihe in Reinkultur vor. Gleichzeitig ist die Septime in beiden Skalen tiefer als die in der heute vorherrschenden wohltemperierten Stimmung und das spannende Thema Dur/Moll-Terz wird hier gleichsam transzendiert.

Meine Einladung an die geneigten HörerInnen: Probieren auch Sie, sprechen und spielen Sie mit den Klängen und Worten, die uns Rainer Maria Rilke hinterlassen und weitergegeben hat. Um dann J.E.Berendt, den ich zu Beginn zitiert hatte und mit dem ich auch schließen möchte, nachzuempfinden: „Ihr Mund wird es genießen wie eine kostbare Speise und weitergeben an jede Zelle. Und an Ihr Herz.“